Forschung
Die sechs Kooperationsbereiche
- Angewandte Sprachwissenschaft und empirische Forschung
- Historische und gesellschaftliche Aspekte der Sprache
- Spracherwerb, Sprachkontakt und interkulturelle Kommunikation
- Sprache und Wissen
- Sprachliche Formen und sprachliche Funktionen
- Sprachtheorie und Sprachtypologie
verstehen sich als profilbildend in der Gegenwart und auf eine Zukunft hin orientiert, die etwa der Dauer von Sonderforschungsbereichen bzw. der Ausbildung von zwei Studierendengenerationen bis hin zum Postdoc-Status entspricht.
Alle sechs Bereiche sind durch hohe Internationalität und Transdisziplinarität gekennzeichnet. Demgemäß werden Forschungsleistung ebenso wie akademische Qualifizierung auf höchstem Niveau im Austausch zwischen den Disziplinen und zwischen den Universitäten bzw. Forschungseinrichtungen des europäischen und außereuropäischen Raums gefördert.
Das ZfS achtet auf ständige Rückkopplung zwischen Forschung und Lehre, um Exzellenz auszubauen und zu transferieren. Der 2025 gegründete fakultätsübergreifende Potenzialbereich Languages and Literacies ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Initiativen.
1. Angewandte Sprachwissenschaft und empirische Forschung
Dieser Kooperationsbereich umfasst Fragen der empirischen linguistischen Forschung, insbesondere Methoden der Erhebung, Analyse und Auswertung verbaler Daten in qualitativer und quantitativer Hinsicht. Darin eingeschlossen ist die computergestützte Transkription, Verwaltung und Verarbeitung sprachlicher Daten und Datencorpora.
Gegenstand des Kooperationsbereichs sind alle Bereiche der Gesellschaft, in denen Sprache verwendet wird, so vor allem Sprache und Kommunikation in den Institutionen
- der Ausbildung (Familie, Schule, Hochschule usw.),
- der Wirtschaft,
- der medizinischen Versorgung,
- der Politik,
- des Rechtswesens,
- der Verwaltung,
- der kulturellen Institutionen,
- der Medien,
- der verschiedenen Produktionsbereiche usw.
Dabei werden unterschiedliche sprachliche Organisation von Schriftlichkeit und Mündlichkeit ebenso berücksichtigt wie die Diversität der Diskurs-, Text- und Gesprächsarten und -typen
- in den verschiedenen Zweckbereichen gesellschaftlicher Kommunikation,
- in verschiedenen Sprachen und
- unter Bedingungen von Mehrsprachigkeit.
Kooperationsbereich 1 erschließt neue, zum Teil innovative Praxisfelder und Berufe für sprachwissenschaftlich ausgebildete Studierende.
2. Historische und gesellschaftliche Aspekte der Sprache
Dieser Kooperationsbereich wird vor allem vier Segmente der Linguistik aufschließen, die im Zentrum kurrenter Theorieinnovationen und reger methodischer Auseinandersetzung stehen:
- Historische Linguistik im Lichte neuer europäischer und außereuropäischer Datenerschließungen und sozialgeschichtlicher wie systemlinguistischer und typologischer Systematisierungen und Interpretationen
- Varietätenlinguistik mit Blick auf Mikro- und Makrovarietäten relativ zur Rekonstruktion sozialgeschichtlicher Situationen und sprachinterner Potentiale; (zugleich als Schnittstelle zu Bereich 4, besonders zur Kontaktlinguistik)
- Sprachsoziologie und Soziolinguistik in kritischer Auslotung von Gegenstandsbestimmung und Kategorienbildung
- Linguistik von Sprache verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und Geschlechter vor dem Hintergrund sprachtheoretischer Kontroverse, ideologiekritischer Zielsetzung und empirischer Untersuchung realer Praxis.
3. Spracherwerb, Sprachkontakt und interkulturelle Kommunikation
Zu diesem Kooperationsbereich gehören fünf Theorie, Empirie und Praxis eng verknüpfende Dimensionen:
- Strukturelle Untersuchung von Spracherwerb (Erst- und Zweitsprache, Mehrsprachigkeit) auf der Grundlage formaltheoretischer Modelle und unter Einbeziehung neurologischer und pathologischer Aspekte im Spracherwerb
- Strukturelle und kommunikative Aspekte des Erwerbs von Erst-, Zweit- und Fremdsprachen (insbesondere auch des Deutschen als Zweit- und Fremdsprache) in verschiedenen institutionellen Kontexten (zugleich als Schnittstelle zu Kooperationsbereich 5), Formen und Funktionen der Mehrsprachigkeit bei Kindern und Erwachsenen, Sprachentwicklung
- Grundlagen und Verfahren des Lehrens und Lernens von Zweit- und Fremdsprachen unter Berücksichtigung lerntheoretischer, bildungspolitischer, lernpraktischer u.a. Aspekte; Sprachkontakt und Sprachwandel unter Einbeziehung der klassischen Sprachkontaktphänomene des Übersetzens und Dolmetschens
- Interkulturelle Kommunikation vor dem Hintergrund einzelsprachlicher und kontrastiver Beschreibungen auf verschiedenen sprachlichen Ebenen
4. Sprache und Wissen
Im Kooperationsbereich „Sprache und Wissen“ sind Grundlagenforschungen angesiedelt, die teilweise in fundamentaler Kontroverse beide Kategorien zu bestimmen, theoretische Systematisierungen anzusetzen und wissenschaftstheoretische Innovationen anzustreben versuchen.
Dieser komplexe Bereich soll von fünf Dimensionen her behandelt werden, die Schnittstellen zu den Bereichen 1 und 5 aufweisen:
- Kognitive Strukturen und ihre Modellierung mit Blick auf Sprache (Kognitive Linguistik und Computerphilologie)
- Mentale Prozesse und Wissensstrukturtypen in handlungstheoretischer Rekonstruktion
- Ethologische Zugänge zu Sprache und Kognition
- Wissenschaftliches Wissen und Wissenschaftskommunikation in sprach- und kulturanalytischer sowie disziplingeschichtlicher Komparatistik
5. Sprachliche Formen und Funktionen
Dieser Kooperationsbereich widmet sich
- der Systematik der Formen von Sprache und
- der Systematik der Funktionen von Sprache.
Unter diesen Gesichtspunkten enthält er
- die verschiedenen Dimensionen bzw. Einheiten der Sprache (wie Phonetik/Phonologie, Graphie/Orthographie, Morphologie, Syntax und Lexikon; Zeichen, Prozedur, Sprechhandlung, Diskurs und Text);
- die verschiedenen Medien der Sprache (Laut, Schrift und Gebärde);
- die differenten Modi der Kommunikation (verbale Kommunikation, nonverbale Kommunikation, paraverbale Kommunikation).
Kontroversen hinsichtlich der Methoden, Kategorien und Theoretisierungen können fruchtbar gemacht werden für die Analyse und Modellierung der jeweiligen Systematik. Bereits die Bestimmung der Kategorien 'Form' und 'Funktion', mehr noch die Klärung der Relation dieser beiden Kategorien zueinander dürfte zu grundlagentheoretischer Auseinandersetzung interdisziplinärer Provenienz führen. Nicht zuletzt wird es um eine Klärung der traditionellen linguistischen Teilgebiete (Phonetik, (Morpho-)Syntax, Semantik, Pragmatik) im Lichte der gegenwärtigen Erkenntnisse gehen.
Fragen der Evolution versus historisch-gesellschaftlichen Entwicklung von sprachlichen Formen und Funktionen betreffen fundamentale Auseinandersetzungen in der gegenwärtigen Grundlagenforschung; Differenzierungen zwischen Form und Formalisierung wie zwischen Funktion und Funktionalisierung (konkretisiert etwa in Konzepten der Grammatikalisierung, Institutionalisierung, Medialisierung) sind theorieabhängig und sprachspezifisch ebenso wie transdisziplinär und sprachvergleichend zur Diskussion zu stellen.
6. Sprachtheorie und Sprachtypologie
Dieser Kooperationsbereich untergliedert sich in zwei in engem Zusammenhang stehende Teilbereiche.
- Das Gebiet der Sprachtheorie behandelt deskriptive und explanative Modellbildungen vornehmlich (jedoch nicht ausschließlich) aus der Kernlinguistik, sowohl unter systemtheoretischem als auch unter handlungstheoretischem Aspekt. Weiterhin fällt in dieses Gebiet die Entwicklung formaler Kalküle.
- Das zweite Gebiet besteht in der allgemeinen Sprachwissenschaft und Sprachtypologie, wo sprachübergreifende Fragestellungen der Typologienfindung und Sprachuniversalienforschung untersucht werden.
Die Konzeption dieses Kooperationsbereichs begründet jeweils bilaterale Anknüpfungspunkte zu allen übrigen fünf Bereichen, indem er ihnen universalsprachliche bzw. typologische sowie theoretische Hypothesen liefert, die sich empirischer Überprüfung und Modellierung stellen. Seinerseits verwertet er die Forschungsergebnisse aus den anderen Bereichen zur Theorienadjustierung.